Dezember 2015

Planung und Wirklichkeit

Die Planung am Projektierungstisch ist ja bekanntlich das eine, die Durchführung in der Welt das andere. Doch bis jetzt liegen Planung und Wirklichkeit bei JfA20 erfreulicherweise erstaunlich nah beieinander.

Das JfA20-Team (Projektwerkstatt)

Die Projektleitung, Mirjam Karnetzki, hat das JfA20-Büro – die Schaltzentrale – in Berlin-Lichterfelde eingerichtet. Hier laufen die Fäden zusammen, von hier aus wird das Projekt koordiniert.

Michalina Mrožek, Filmemacherin und Filmpädagogin, ist im Juni zugestiegen. Sie wird gemeinsam mit den Teilnehmer(inne)n insgesamt drei Filme drehen: Unsere beiden Kiezprojekte JfA20.1 und JfA20.2 (Durchgang 1 und 2) werden jeweils in einem Kurzfilm dokumentiert; aus diesen Dokumentationen entsteht dann am Ende der Langfilm: »Jung fragt Alt im Kiez: Leben im 20. Jahrhundert«. Um die Website und das zu erstellende Archiv kümmert sich eine ehrenamtliche Heinzelfrau.

Begleitung und Rückenstärkung

Unser Projekt wird »umrahmt«, begleitet und unterstützt von Menschen hinter den Kulissen, ohne die JfA20 nicht wäre, was es ist (falls es überhaupt wäre):

Seit Beginn unserer »Jung fragt Alt im Kiez«-Arbeit werden wir wohlwollend von unserer Projektpatin Christina Wegner, EU-Beauftragte des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf und Geschäftsführerin des BBWA (Bezirklichen Bündnisses für Wirtschaft und Arbeit), begleitet, vernetzt und unterstützt. Jacqueline Lorenz, Journalistin, stärkt uns mit ihrem Interesse, ihren wunderbaren Presseartikeln und ihren hilfreichen Tipps und Kontakten den Rücken.

Katharina Thiele und Sabine Lauterbach von kontinuum e.V. coachen seit Langem mit Herz und Sachverstand unsere Projektidee – ohne ihren Glauben an die Sache wäre JfA nie entstanden. Sandra Mueller führt die JfA20 Buchhaltung im KINDERRING BERLIN e.V. freundlich, entgegenkommend, nachsichtig (mit uns) und dazu in rasanter Profi-Geschwindigkeit. Burkhard Zimmermann mischt sich als Geschäftsführer ein, wo nötig, und lässt uns machen, wo möglich. Erwin Weichselbaum, unser Sachbearbeiter bei Aktion Mensch, hat immer ein offenes Ohr und bietet uns freundliche, kompetente Unterstützung. Gela hat unser schönes »Jung fragt Alt«-Bild gemalt, das junge und alte Herzen berührt. Aušra Miltenytė hat unsere »Jung fragt Alt im Kiez«-Idee auf wunderbar zarte Weise verbildlicht. Bei der Textoptimierung hilft Renate Blankenhorn, die auch beim Anschieben des Projekts tatkräftig mitwirkte.

All diesen Menschen sind wir sehr dankbar.

Erste Schritte in die Öffentlichkeit

Am 29. Mai trat JfA20 das erste Mal an die Öffentlichkeit, mit einem Marktstand auf dem Fest der Nachbarn des Stadtteilzentrums Steglitz e.V. Zu präsentieren gab es da vor allem Zukünftiges, Geplantes – eine gute Übung Gesicht zu zeigen …

Auf der 5. Freiwilligenbörse des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf im Gutshaus Steglitz am 10. September zeigte sich »Jung fragt Alt« schon ganz professionell und weckte allgemeines Interesse, auch das des Bezirksbürgermeisters.

Internetauftritt

Am 15. Oktober trat die »Jung fragt Alt«-Webseite ans Licht der Internet-Öffentlichkeit – nachdem sie über Wochen und Monate in liebevoller und ehrenamtlicher Kleinarbeit herangebastelt worden war. Wir sind sehr stolz auf www.jungfragtalt.de

Bezirksbroschüre

In der offiziellen Bezirksbroschüre »Steglitz-Zehlendorf – ein Wegweiser durch den Bezirk 2016« erscheint im Januar ein Bericht über JfA20. Dies haben wir unserer Projektpatin Christina Wegner zu verdanken.

JfA20.1: der erste Durchgang (Kiezprojekt 1)

Nach den Sommerferien wurde es ernst: Im September startete der erste Durchgang von »Jung fragt Alt im Kiez: Leben im 20. Jahrhundert 1«, also JfA20.1, in Steglitz-Zehlendorf /Schöneberg. Der Durchgang dauert ein Jahr und läuft parallel zum Schuljahr 2015/16.

Auf der Suche nach Jung und Alt für JfA20.1

Mit unserer Idee einer Generationen-Brücke im Kiez rennen wir theoretisch regelmäßig offene Türen ein, aber die konkrete, praktische Verwirklichung ist manchmal schwieriger.

Wir brauchen für das Projekt ein Dreieck aus Kinder-Freizeiteinrichtung, Senioreneinrichtung und Kiez-Team (als Projektsteuerung).

Die Jungen

Bei den Vorgesprächen mit interessierten Einrichtungen wurde jedoch bald klar: Die Einrichtungen und die Kinder haben auch ohne unser Projekt mehr als genug zu tun. Mehrmals scheiterte die geplante Zusammenarbeit an fehlenden Freiräumen: zu viel Arbeit, zu viele andere Projekte (z.B. in der Flüchtlingsarbeit).

Was also tun?

»Jung fragt Alt« braucht Raum, Zeit und Menschen, die das Projekt zu ihrer Sache machen und die von ihren Einrichtungen dabei gestützt werden.

Nach einigem Hin und Her haben wir nun statt einer gleich zwei Kinderfreizeiteinrichtungen im Boot:

Beide Einrichtungen liegen fußläufig zu »unserer« Senioreneinrichtung, dem Domicil-Seniorenpflegeheim Feuerbachstraße. Wir überschreiten die Bezirksgrenze, da unser Kiez, der Feuerbach-Kiez, an der Grenze von Steglitz zu Schöneberg liegt.

Die Menschen, die die Jungen begleiten

Wir sind glücklich, mit Birgit Kirschnick (Ganztagsbetreuung an der Sachsenwald-Grundschule) und
Stefan Weidler (Ganztagsbetreuung an der Fläming-Grundschule) zwei Erzieher/innen gefunden zu haben, denen »Jung fragt Alt« am Herzen liegt.

Beide erhalten Rückendeckung von ihrer Leitung (Christian Wille/Birgit Hampe) und »von oben«: Andrea Seltenheim, Fachberaterin und Koordinatorin der Grundschul-Ganztagsbetreuungen im Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. ist Feuer und Flamme für das Projekt. Sie schreibt: »Ich halte Ihr Projekt für unglaublich sinnvoll und sehe es als Chance, inhaltlich unsere Arbeit mit den großen Kindern interessanter zu gestalten.«

Als Bundesfreiwillige ist Janna Reichhelm mitsamt ihren pädagogischen Fähigkeiten und ihrem musikalischen Talent im Projektboot.

Exkurs: Die Kinder »eingetaktet« und »dazwischen«?

Der KINDERRING BERLIN e.V. möchte »in einer zunehmend verwalteten und verwerteten Welt Räume erhalten und schaffen, in denen sich eine Kindergesellschaft bilden und entfalten kann.«

Birgit Kirschnick, Erzieherin in der Ganztagsbetreuung an der Sachsenwald-Grundschule, erzählt:
»In meiner Kindheit bin ich nach der Schule nach Hause, habe den Ranzen in die Ecke geschmissen und dann war Freizeit«. Die Babyboomer der 60-er Jahre kennen das noch.
Das sieht heute ganz anders aus. Schule weitet sich mehr und mehr in den Nachmittag aus, nach der Schule beginnt das Freizeit-Pflicht-Programm: Klavier, Reiten, Sport…

Und jetzt auch noch »Jung fragt Alt«?

Dabei ist JfA20.1 ein langsames, aus der Zeit gefallenes Projekt: alte Menschen brauchen Zeit, Erzählen braucht Zeit, Zuhören braucht Zeit.

Unsere Aufgabe ist deshalb auch, in der verplanten Welt der Kinder Raum zu schaffen, in dem etwas wachsen und entstehen kann. Denn »Jung fragt Alt« ist auch ein Beziehungsprojekt: Erzählen und Zuhören brauchen Vertrauen und Beziehung.

Kinder der 5. und 6. Klasse nannte man früher Lückekinder – in der Lücke zwischen Hort und Jugendclub. Auch heute sind diese Kinder irgendwie dazwischen: Sie brauchen weniger Betreuung, werden selbstständiger und sind doch noch nicht so autonom wie Jugendliche. Viele von ihnen werden in der 5. Klasse bei der Ganztagsbetreuung abgemeldet.

Dennoch glauben wir, dass JfA20 genau das Richtige sein könnte für interessierte Lückekinder: Ihre jugendliche Reife und ihre noch kindliche Neugier und Unbefangenheit prädestinieren sie, als Kiez-Journalist(inn)en die Vergangenheit zu erforschen und in Kontakt zu alten Menschen zu treten.

Die Alten und ihre Begleiter/innen

Vertrauen und sensible Betreuung ist das A und O der Arbeit mit den teilnehmenden Senior(inn)en: Sie sind bereit, Persönliches preiszugeben, dafür braucht es einen schützenden Raum und Rahmen.

Den bieten Sören Bothe, Ergotherapeut im Domicil-Seniorenpflegeheim Feuerbachstraße, seine Kollegin Stefanie Regel und ihr Team. Die Informationsveranstaltung mit interessierten Bewohner(inne)n, Sören Bothe und Mirjam Karnetzki zeigte: Die Bewohner/innen vertrauen Herrn Bothe und sind voller Geschichten aus dem 20. Jahrhundert, die erzählt werden wollen. Unterstützung erhält Herr Bothe vom Einrichtungsleiter Herrn Lange, der das Projekt mit Wohlwollen und der Bereitschaft, möglich zu machen, was möglich ist, begleitet.

Präsenz im Domicil-Seniorenpflegeheim

Mirjam Karnetzki, JfA20-Projektkoordinatorin, hält regelmäßig im Domicil-Seniorenpflegeheim Feuerbachstraße eine Sprechstunde (Mittwoch von 10.00 bis 12.00). Hier trifft sie sich mit den am Projekt Beteiligten (den Akteuren) und ist für interessierte Bewohner/innen und ihre Fragen und Anliegen da.

Das JfA20.1 Kiez-Team

Dreh- und Angelpunkt von JfA20 ist das Kiez-Team – es schafft Grundlage und Rahmen für die Begegnung von Jung und Alt. Den Kern des Kiez-Teams bilden die Projektleitung, die Mitarbeiter(inne)n der Kinder- und Senioreneinrichtungen, die Filmemacherin und die Bundesfreiwillige; unterstützend und flankierend wirken mit: die Unterstützer/innen Detlef Pech (Professor für Grundschulpädagogik - Sachunterricht an der Humboldt Universität zu Berlin), Torsten Lange (Einrichtungsleiter des Domicil-Seniorenpflegeheim Feuerbachstraße), Andrea Seltenheim (Grundschul-Ganztagsbetreuungen im Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.), Christian Wille (Leiter der Ganztagsbetreuung an der Sachsenwald-Grundschule), Birgit Hampe (Leiterin der Ganztagsbetreuung an der Fläming-Grundschule).

Offizielles Auftakt-Treffen (Kick-Off) für JfA20.1 war am 13. Oktober (später als geplant - wegen »Realitätsanpassung«).

Wissenschaftliche Reflexion und die Tagung Anne Frank, die Mauer und ich

Im Oktober fand die Tagung »Anne Frank, die Mauer und ich. Zeitgeschichtliches Lernen zu Nationalsozialismus und DDR-Geschichte mit Kindern in Schule, Museum und Gedenkstätten« statt, organisiert von der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität zu Berlin (Abteilung Grundschulpädagogik, Lernbereich Sachunterricht) und dem Anne Frank Zentrum in Berlin.

Hier wurde wissenschaftlich darüber nachgedacht, wie und ob Kinder in der Grundschule an Zeitgeschichte herangeführt werden können. Betont wurde, wie sinnvoll und naheliegend der persönliche Zugang über Zeitzeugen aus der unmittelbaren Lebenswelt der Kinder ist; wie wichtig aber auch die entsprechende Begleitung hin zu einem reflektierten Geschichtsbewusstsein. Einig war man sich, dass Kinder ein elementares Interesse an Vergangenem haben und überall im Alltag Geschichte begegnen - beides gilt es aufzugreifen. Und: Gemeinschaft entsteht auch durch gemeinsames Erinnern.

Interessant für uns war, wie wenig konkrete Erfahrung es in diesem Bereich gibt und dass wir mit unserer »Jung fragt Alt im Kiez«-Arbeit und unseren aufgezeichneten Interviews einen Beitrag für diesen Diskurs leisten können.

Motto: »Her mit den Problemen«Problemi ist mit im Boot

Unser Projekt will ein Modell für die intergenerative Nachbarschaftsarbeit schaffen, das Folgeprojekten als Matrix dienen kann. Wir probieren also aus, was geht und was nicht geht und fragen uns, warum etwas geht oder warum nicht. Uns interessieren insbesondere die Probleme, die Hürden, die derartige Projekte zu bewältigen haben. Daher haben wir »spaßeshalber« und zur Veranschaulichung (Erinnerung) »Problemi« erschaffen: Eine Figur im Projektboot, die Probleme liebt (so wie das Krümelmonster Kekse) und nach dem Motto lebt: »Her mit den Problemen – ich habe Probleme zum Fressen gern.«

Kommunikation im Projekt

In Zeiten einer latenten Überkommunikation sucht unser Projekt nach einer angemessenen und den Zielen förderlichen Art der Kommunikation - die goldene Mitte zwischen zu viel und zu wenig.

Für alle aktiven Teilnehmer/innen ist »Jung fragt Alt« »eins unter vielen Dingen«, das im Arbeitsalltag Raum will. Wichtig erscheint uns, zu bündeln, wo möglich (z.B. Absprachen der Akteure bei den 4 Teamsitzungen innerhalb des Projektjahrs), und Raum für entspannte Kommunikation, wo nötig (z.B. Sprechstunden der Projektkoordination für Akteure und Teilnehmer/innen).

Und letztlich: Kommunikation ist und bleibt ein weites und spannendes Feld. Wir üben.

JfA20.1 schippert also (im Zeitplan)

- möge es gedeihen und alle Hürden, Pannen und Krankheiten gelassen umschiffen!

Skizze »Projektfahrplan« von Mirjam Karnetzki

Fünf Phasen fügen sich in den Schuljahres- und Ferien-Rhythmus wie folgt:

  • Auftakt und Akquise der Teilnehmer/innen zwischen Sommer- und Herbstferien
  • Heranführung der Teilnehmer/innen und Kiez-Teambildung zwischen Herbst- und Weihnachtsferien
  • gemeinsame Vorbereitung und erstes Kennenlernen zwischen Weihnachts- und Winterferien
  • die Befragungen zwischen Winter- und Osterferien
  • die Auswertung und Verstetigung zwischen Osterferien und Sommerferien

Die öffentliche Präsentation der Ergebnisse fällt in den Juli 2016.
Die Auswertung des Projekts mit Austausch zur langfristigen Integration der »Jung fragt Alt«-Arbeit in den beteiligten Einrichtungen folgt dann im Herbst 2016.