Mai 2017

JfA20.1: Auswertung (»Kick-Out«) im Oktober 2017

Projekt-Nachtreffen sind bekanntlich »so eine Sache« – das Leben geht weiter und nach vorn, zum Zurückschauen bleibt häufig wenig Raum. Dennoch: Im Oktober trommeln wir das »JfA20.1 Kiezteam« – die Kinder- und Seniorenbegleiter/innen - noch einmal zusammen und lassen gemeinsam mit den Erzieher(inne)n Birgit Kirschnick und Stefan Weidler sowie der Hort-Koordinatorin Andrea Seltenheim den Projektdurchgang Revue passieren. Zu unserem Bedauern kann kein/e Vertreter/in des Domicil Seniorenpflegeheims Feuerbachstraße teilnehmen - wir verbuchen das unter »Nachtreffen sind so eine Sache« (s.o.) bzw. der Aus- und Überlastung der Mitarbeiter/innen. Wahrscheinlich erwarten wir zu viel - »Projektegozentrik«. So führt die Projektleiterin mit dem Leiter des Domicils Torsten Lange und dem Leiter der Betreuung Sören Bothe ein gesondertes Nachgespräch.

Wir halten fest:

»Jung fragt Alt im Kiez« ist als Nachbarschaftsarbeit ein großer Gewinn für alle Seiten:

  • für die Kinder, die sich aktiv einen Zugang zu Geschichte, Kiez und der Generation der Urgroßeltern erschließen
  • für die Hochbetagten im Seniorenwohnheim, die - zumeist wenig mobil - wieder am sozialen Geschehen in der Nachbarschaft teilnehmen und erfahren, wie sehr sie und ihre Erfahrungen geschätzt werden
  • für die Begleiter/innen des Projekts, die von dem spannenden Austausch zwischen den Generationen als »Zaungäste« profitieren
  • für die Öffentlichkeit im Kiez, der Biografien und Lebenserinnerungen hochbetagter Menschen ins Bewusstsein gebracht werden

Und:

Diese Arbeit braucht Zeit und Liebe: Kinder und Hochbetagte brauchen im Prozess Anleitung, Begleitung und Betreuung. Die Hauptamtlichen in den Senioren- und Kindereinrichtungen ermöglichen, was sie können, sind aber schon ohne Projektarbeit »am Limit«. Die Vermittlung zwischen den Institutionen, die »Institutionenbrücke« zwischen Seniorenwohneinrichtung und Kinderfreizeiteinrichtung, ist ein gewaltiger logistischer Aufwand im Alltagsgeschäft.

So befinden wir:

Es braucht eine hauptamtliche Mitarbeiterin bzw. einen hauptamtlichen Mitarbeiter, die/der die »Jung fragt Alt im Kiez« - Arbeit im Bezirk anschiebt und betreut.

Uns ist klar, welches Luftschloss wir hier bauen - wissen wir doch, dass in der sozialen Betreuungsarbeit Gelder eher fehlen denn fließen. Dennoch: Die Einschätzung der Hortkoordinatorin Andrea Seltenheim, dass die JfA-Arbeit für die älteren Grundschulkinder »ein Muss« in den Ganztagseinrichtungen sein sollte, stärkt uns den Rücken: Wo ein Wille, ist in der Regel ein Weg – Hartnäckigkeit und langer Atem sind gefragt. Wir bleiben dran.

Die JfA20.1 Kinder im Kreuzberger Mutter-Kind-Bunker

Der Fichtebunker in Berlin KreuzbergIm Nachklang des Projekts besuchen die Kinder des ersten Durchgangs im November den Mutter-Kind-Bunker in der alten Gasometeranlage in Berlin-Kreuzberg - ein Geschenk unserer Projektpatin Christina Wegner im Bezirksamt an die Kinder. In der Kinder-Tour »Mama, was ist ein Bunker« des Vereins Berliner Unterwelten e.V. wird ihnen »das tägliche Erleben ihrer Altersgenossen vor 70 Jahren« näher gebracht: »die Einschleusung in den Bunker, die Nächte in den Etagenbetten, der Besuch auf der Krankenstation oder beim Maschinisten in der Lüftungsanlage. Durch Zeitzeugenberichte ist bekannt, dass das Leben in der »Mutter-Kind-Bunkeranlage« keineswegs nur trostlos und deprimierend war, sondern Raum für ganz normales Kinderleben ließ. Auch im Bunker wurde gespielt, sich versteckt und es wurden zum Ärger des Bunkerwarts Verfolgungsjagden durch die weitläufigen Flure der Anlage veranstaltet.« Unsere »Jung fragt Alt« - Kinder beeindrucken durch ihre Fragefreude und ihr Einfühlungsvermögen: »Wenn die hier die Bomben runterfallen gehört haben, mussten die nicht hinterher alle eine Therapie machen?« fragt Elias.

»Jung fragt Alt« bei »Kakadu« im Deutschlandfunk Kultur

Am gleichen Tag, am 4. November, wird die Kakadu-Kinderradiosendung

Kakadu »Jung fragt alt – Berliner Grundschüler in einem besonderen Geschichts-Projekt« im Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlt.

Die Kinder trauen ihren Ohren nicht: »Bin das ich???« Die Sendung zeigt sensibel die Spannbreite unseres Projekts, die Themenvielfalt, die Ernsthaftigkeit der Kinder und Senior(inn)en. Liebevoll gewähltes Klangliches erfüllt Fragen und Antworten mit Leben.

Zwischenbericht und Zwischenabrechnung für den Fördergeber Aktion Mensch

Die Zeit vergeht, die Mittel fließen, im Herbst wird es Zeit, Zwischenabrechnung und Zwischenbericht beim Fördergeber Aktion Mensch einzureichen. Das zieht sich bis Anfang Januar: Stichwort »DD« (»Dinge dauern«).

JfA20.2 geht an den Start: »Jung fragt Alt« in Friedrichshagen

Seit Langem war klar: Der zweite Projektdurchgang, JfA20.2, findet in einem Bezirk mit DDR-Geschichte statt, also im Osten der Stadt. Unsere Wahl war auf Friedrichshagen gefallen, einem Stadtteil des Bezirks Köpenick-Treptow mit Kleinstadtcharakter: Wer die Friedrichshagener Hauptstraße, die Bölschestraße, hinunter zum Müggelsee flaniert, vorbei an Liebhabergeschäften, stilvollen Cafes, der stolzen Christophoruskirche und dem nicht minder stolzen Preußenkönig Friedrich dem Großen auf seinem Sockel, der kann sich des Gefühls nicht erwehren: Hier ist die Welt ziemlich in Ordnung. Ein Kiez, wie er im Buche steht – wie geschaffen für »Jung fragt Alt im Kiez«.

Die »Jungen« und die »Alten« in Friedrichshagen

Junge und Alte gibt es viele im rührigen Friedrichshagen. Es fällt nicht schwer, interessierte Seniorenwohneinrichtungen zu finden. Unsere Wahl fällt auf die Seniorenresidenz Bölschestraße (gemeinnützige ProCurand GmbH&Co) und das Seniorenzentrum Köpenick (Sozialstiftung Köpenick). In beiden finden wir ausgesprochen aufgeschlossene Mitarbeiter/innen. Leider und schweren Herzens müssen wir dem Seniorenzentrum Köpenick wieder absagen: Zwei Kinderfreizeiteinrichtungen im Kiez mit entsprechenden Kapazitäten, d.h. Mitarbeiter(inne)n, die die Arbeit neben ihrer Alltagsarbeit »stemmen«, finden wir nicht. Zwei Grundschul-Horte geben uns einen Korb: »Super Projekt, aber keine Kapazitäten«. Noch dazu im Winter, wo alle krank sind - die Einrichtungen kämpfen, den »Kopf über Wasser zu halten«, d.h. den normalen Betrieb aufrecht zu erhalten.

Das JfA20.2 Einrichtungs-Dreieck in Friedrichshagen und das JfA20.2 Kiezteam

Das Spielhaus in der Bölschestraße - FriedrichshagenUnser neues »JfA Zentrum«, die Seniorenresidenz Bölschestraße, befindet sich mitten im Friedrichshagener Zentrum, ein paar Schritte nur vom Marktplatz und der Christophoruskirche entfernt. Fußläufig hierzu liegen die beiden Kindereinrichtungen, die schlussendlich unsere Partner werden: das Kinderhaus an der Evanglischen Grundschule Friedrichshagen (Hort) und das Spielhaus in der Bölschestraße, eine offene Kinder- und Freizeiteinrichtung der Technischen Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft gGmbH. So formiert sich das JfA20.2 Kiezteam – ein spannender Haufen aus rührigen, engagierten und vernetzten Kinder- und Seniorenbetreuer/innen.

Die jungen Friedrichshagener Kiezjournalist(inn)en

Nach einigem Hin und Her können nun 25 Friedrichshagener Rubikon-Kinder der Evangelischen Grundschule Friedrichshagen auf Zeitreise im Friedrichshagener Kiez gehen.

JfA20.2 ein Selbstläufer?

Endlich angelaufen, scheint JfA20.2 fast ein Selbstläufer: Die beteiligten Akteure aus Senioren- und Kindereinrichtungen sind so vernetzt im Kiez, dass das Anschieben nur so flutscht: Die Projektleitung kann gar nicht so schnell gucken, wie Ideen und Mitstreiter/innen das Projektboot besteigen. Selbst der Schirmherr wird kurzerhand aus dem Ärmel gezaubert: der Pfarrer der benachbarten Christophorus-Gemeinde. Wir verstehen: Das sozial- und kirchlich-engagierte Friedrichshagen ist ein »Dorf« - Netzwerke gibt es viele.

Flüchtlingskinder im Hofhaus Friedrichshagen

Anfangs träumen wir davon, auch noch Flüchtlingskinder mit ins Boot zu holen. Das Hofhaus der Stephanus-Stiftung, eine Einrichtung zur Vernetzung von Geflüchteten und Ansässigen in der Bölschestraße, meldet Interesse an. So sinnvoll und vielversprechend uns die Einbeziehung von geflüchteten Kindern erscheint, so schnell merken wir, wie viele Fragen diese Arbeit aufwirft, die erst geklärt werden wollen. Wir möchten uns nicht verheben und behalten die Idee im Auge: im Herbst wollen wir vorbereitende Gespräche mit dem Hofhaus führen.

JfA20.2 schippert los…

Nach der Kick Off Veranstaltung im Februar schippert JfA20.2 gemächlich los: Kinder und Senior(inn)en besteigen das Boot, es finden die ersten vorbereitenden Veranstaltungen statt: Auftakt und Filmworkshop für die Kinder, Informationsveranstaltung für die Senior(inn)en.

Beim Auftakt reisen die Kinder in Gedanken in die Vergangenheit, 80 Jahre zurück, in das Jahr 1937. Sie fragen sich: Was war wohl alles anders? Sie formulieren ihre Interessen und erste Fragen: »Welches Spielzeug gab es?« »Was für Bücher habt ihr gelesen?« »Welche Kleidung habt ihr getragen?« »Gab es schon das Strandbad Müggelsee?« »Wie habt ihr euch mit euren Freunden verabredet?« »Wie war die Schrift?« »Wie war die Schule?« »Was habt ihr in der Freizeit gemacht?« »Gab es Zahnspangen?« »Was gab es zu essen?« »Gab es Hasenkäfige?«

 

Linda und Jakob beim Film-Workshop

 

 

Dann betreten sie die Welt des Filmemachens. Beim Filmworkshop üben sie das Interviewen vor der Kamera und das, was alles noch so am Filmset passiert.

 

 

 

  Informationsveranstaltung in der Seniorenresidenz

 

Die Senior(inn)en machen sich bei der Informationsveranstaltung in der Seniorenresidenz ein Bild von dem, was sie erwartet.

 

 

 

Dann ist es soweit:

Erstes Kennenlernen Erstes Kennenlernen Erstes Kennenlernen

Ende April begegnen sich Kinder und Senior(inn)en zum ersten Mal, umrahmt von den Kinder- und Seniorenbegleiter(inne)n.

Herr Neudeck markiert seinen GeburtsortIn das rote Ringbuch, das »Journalistenhandbuch«, trägt jedes Kind Name, Geburtsdatum und Geburtsort aller Senior(inn)en. Das will erfragt sein. So heißt es Schüchternheit überwinden, laut und deutlich sprechen. Die Senior(inn)en wiederholen geduldig immer wieder das Gleiche. Erstes »Beschnuppern«. Viele Fragezeichen in den Augen der Beteiligten. Viel Neugier aufeinander. Auf Landkarten markieren die Kinder die Geburtsorte der Senior(inn)en. »Breslau? Wo ist das? Das gibt es nicht in Deutschland.«

Das JfA20.2 Team

Es bleibt dabei, das A & O im Projekt ist ein engagiertes und tatkräftiges Kiezteam, das den Rahmen für die Begegnung zwischen Jung und Alt schafft und dabei im Hintergrund bleibt. Denn: zu viele engagierte Köche können den Brei bekanntlich verderben, nämlich dann, wenn zu viele verschiedene Interessen im Spiel sind, zu viele: »Wir wollen, dass…«. Das Projekt entsteht im Spannungsfeld zwischen Planung und Sich-Entfalten, das Team schafft den Raum, damit Begegnung entstehen und stattfinden kann. In Friedrichshagen haben wir »Traumbedingungen«, die Kinderbegleiter/innen aus den Kindereinrichtungen sowie die Seniorenbegleiterinnen aus der Seniorenresidenz sind nicht nur mit Herz und Verstand dabei, sondern ausgesprochen zuverlässig, was - wem sagen wir das - die halbe Miete ist. Zudem gibt es Rückenstärkung von Seiten der Einrichtungsleitungen, auch dies ganz wichtig. Wir sind glücklich, eine Studierende der Grundschulpädagogik für das Projekt gewonnen zu haben, die wunderbarerweise als gelernte Erzieherin die Brücke zwischen Freizeitpädagogik und Grundschul-Bildungs-Know-How schlägt.

Der innere JfA20 Kreis

Den inneren Kreis der Projektsteuerung bilden Projektleiterin, Assistentin, Filmpädagogin und geschichts- und museumspädagogischer Berater.

JfA20 geht an die Uni…

Die Abteilung Grundschulpädagogik - Sachunterricht an der Humboldt Universität zu Berlin, mit der wir kooperieren, lädt uns ein, unser Projekt am 8. Mai vor 40 Studierenden im Kurs »Geschichte und Sachunterrichtsdidaktik« vorzustellen. Wir präsentieren unser Projekt, erzählen von unseren Erfahrungen und zeigen den Film vom ersten Durchgang. Und freuen uns über so viel Aufmerksamkeit, interessierte Augen, kluge und einfühlsame Kommentare. Die Studierenden sind angetan von der Lebendigkeit des Projekts, dem Engagement und der Ernsthaftigkeit der Kinder und Senior(inn)en, dem Kiezbezug. Ihnen liegt ganz besonders die Verarbeitung und Nachbereitung dessen, was die Kinder erfragen, am Herzen. Wir nehmen die Fragen und Kommentare mit, denken über noch bessere Begleitung der Kinder nach und träumen von einem ganzen Team Kinder-Begleiter(inne)n, die in Einzel- und Paargesprächen erfahren und auffangen, was die Kinder mitnehmen.

Vorstoß in die Friedrichshagener Öffentlichkeit

Zu Mittsommer setzt JfA 20.2 einen weiteren entscheidenden Schritt in die Öffentlichkeit: Im Kiezblatt »Friedrichshagen KONKRET« erscheint in der Ausgabe vom Juni 2017 der Artikel »Neues Kiezprojekt: ›Jung fragt Alt im Kiez: Leben im 20. Jahrhundert‹«. Er würdigt die Arbeit aller Beteiligten, das Engagement von Jung und Alt. Und macht die Beteiligten stolz auf das, was sie tun.

 Supervision

Weiterhin bespricht die Projektleiterin monatlich den Projektverlauf mit einer ehrenamtlichen Supervisorin. Dieser Adlerblick ist Gold wert.

Ausblick:

Im Mai wird es endlich richtig ernst: Vor Himmelfahrt, in der schönsten Jahreszeit, beginnen die Interviews, die Interviewphase dauert bis zu den Sommerferien. Nach den Sommerferien wird »verstetigt«: die Kinder erstellen die Ausstellung: »Früher (hier)«. Und dann steuert alles auf den Festakt zum Abschluss im November zu, mit Ausstellungseröffnung und Welturaufführung des neuen Films.

Nebenher steuert JfA20 auf sein Ende im Mai 2018 zu: der Leitfaden geht in Arbeit, das Folgeprojekt will geplant, Fördergeber gefunden werden.
Am Horizont steht ein verlockendes Luftschloss: ein JfA20 Abschlussfestakt als Benefiz-Veranstaltung mit Künstler(inne)n in Steglitz-Zehlendorf im Frühling 2018 – mit Premiere unseres »ultimativen JfA20 Films«.